Am 14. September 1926 wurde auf dem Friedhof Friedental das erste Krematorium der Zentralschweiz offiziell eröffnet. Dieses Ereignis war dem liberalen und freigesinnten Zirkel rund um Franz Xaver Burri (1864–1941) zu verdanken, der sich in seinem jahrzehntelangen Engagement gegen konservative und kirchliche Widerstände durchsetzen konnte.

Die Geschichte des Krematoriums zeigt exemplarisch, wie sehr Fragen rund um Tod, Sterben und Bestattung Ausdruck gesellschaftlicher Werte und des jeweiligen Zeitgeists sind. Die Stiftung Luzerner Feuerbestattung nahm das 100-Jahr-Jubiläum deshalb zum Anlass, die Geschichte der Bestattungsformen und -kulturen aufarbeiten zu lassen. Das vom Büro für Geschichte, Kultur und Zeitgeschehen GmbH entwickelte Vermittlungsprojekt «Frieden im Tal. 100 Jahre Krematorium Luzern» ist vom 30. April bis 15. November 2026 auf dem Friedental zu sehen. Stiftungsratspräsident Markus Ehrenberg sagt dazu: «Das Jubiläum ist für uns mehr als ein historischer Meilenstein. Es bietet die Gelegenheit, sichtbar zu machen, wie sehr sich der Umgang mit Tod und Abschied in den vergangenen hundert Jahren verändert hat – und wie stark diese Veränderungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden sind.»

Als die Stadt Luzern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark wuchs, stiessen die innerstädtischen Friedhöfe an ihre Grenzen. 1883 erwarb die Stadt im Morental ein Grundstück für einen neuen Friedhof. Zwei Jahre später wurde das Friedental eröffnet und kurz darauf um einen jüdischen Friedhof ergänzt. Bereits bei der Planung war eine Parzelle für ein Krematorium vorgesehen. Der Bau begann allerdings erst 1923. Mit der Kremation des Literaturnobelpreisträgers Carl Spitteler am 31. Dezember 1924 wurde das Krematorium in Betrieb genommen. Die offizielle Einweihung erfolgte 1926 nach Fertigstellung der letzten Gebäude. Infolge der Aufhebung des kirchlichen Kremationsverbots im Jahr 1963 nahm die Zahl der Einäscherungen deutlich zu. Seit 2008 verfügt das Friedental zudem über ein muslimisches Grabfeld.




Mit dem Projekt «Frieden im Tal. 100 Jahre Krematorium Luzern» wird die Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern erlebbar gemacht. Die Ausstellung im Friedental und im alten Krematorium lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich mit der Entwicklung der Bestattungsformen und -kulturen auseinanderzusetzen – von den gesellschaftlichen Debatten des frühen 20. Jahrhunderts bis zu den vielfältigen Ausdrucksformen des Abschieds heute. Im Eingangsbereich, im Zentrum des Friedhofs und im alten Krematorium werden historische Hintergründe, biografische Bezüge und gesellschaftliche Zusammenhänge verständlich aufbereitet. Der Rundgang zeigt, wie eng der Wandel des Friedentals mit der Entwicklung Luzerns verknüpft ist. «Das Friedental ist kein statischer Ort der Vergangenheit. Wer genau hinschaut, erkennt hier über Generationen hinweg gesellschaftliche Debatten, religiöse Veränderungen und kulturelle Vielfalt», erläutert Projektleiter Dr. Jürg Stadelmann.
Das Vermittlungsprojekt versteht sich als Einladung, innezuhalten, nachzufragen und einen Ort neu zu betrachten, der vielen vertraut ist – und doch immer wieder neue Perspektiven eröffnet. Initiatorin und Hauptträgerin des Projekts ist die Stiftung Luzerner Feuerbestattung. Ermöglicht wurde die Umsetzung auch durch die Unterstützung der Stadt Luzern, der Katholischen Kirche Stadt Luzern, des Lotteriefonds Kanton Luzern, der drei Luzerner Landeskirchen, der Carl-Spitteler-Stiftung sowie des Kremationsvereins Luzern.
Die frei zugängliche Ausstellung ist vom 30. April bis 15. November 2026 im Friedental zu sehen. Das alte Krematorium ist in diesem Zeitraum täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen sind auf der Webseite www.friedenimtal.ch zu finden.

